Montag, 29. Juni 2009

Valerias letztes Gefecht - Marc Fitten

Klappentext:

Valeria ist nicht mehr jung und hat dezidierte Anschauungen über die Menschen und das Leben. Das Gemüse auf dem Markt ist nicht knackig genug, die Bauern, die um Ibolya in ihrer immer geöffneten Kneipe herumscharwenzeln, sind so nichtsnutzig wie die Christdemokraten, die protzigen Kapitalisten und dieser linke Schimpanse von einem Bürgermeister mit seiner langbeinigen, kapriziösen Frau. Alle sind sie stillos. So wie Menschen, die pfeifen. Valeria würde niemals pfeifen. Doch als sie sich in den Töpfer des kleinen ungarischen Dorfs verliebt, gerät alles durcheinander. Das eigene und das Leben der anderen. Anrührend, lebensverliebt, ungewöhnlich.

Meine Zusammenfassung:

Valeria, eine gestandene Frau von 68 Jahren, lebt in einem kleinen Dorf in der ungarischen Provinz. Die lebt nur für sich selber, versorgt sich allein, und von allem hat sie sich eine eigene Meinung gebildet. Von anderen Menschen lässt sie sich nichts sagen, sondern sie macht ihr Ding. Den Menschen in ihrem Dorf allerdings geht sie damit arg auf die Nerven - die können ihr ständiges Gemäkel und Gemecker und ihre Sprüche nicht mehr hören. Auf dem Markt müssen sie sich anhören, ihr Gemüse sei faul und immer findet Valeria etwas, was ihr nicht passt. Doch eines Tages sieht Valeria, die mir der Liebe in ihrem Alter schon lange abgeschlossen hat, auf dem Markt den Töpfer mit ganz anderen Augen. Nie ist ihr zuvor aufgefallen, wie gut er doch aussieht, und wie stark er doch ist. Zögerlich zunächst beginnt sie sich imm zu nähern und er, ein abgeschieden lebender Witwer, der nichts auf die Dorfgerüchte gibt, ist ihr auch nicht abgeneigt.Mit ihrer Romanze aber bringt Valeria das Dorf noch mehr gegen sich auf - denn der Töpfer ist eigentlich mit Ibolya zusammen (das meint jedenfalls Ibolya), der frechen und aufmüpfigen, lauten Kneipenwirtin. Und die will ihn partout nicht freigeben... Die beiden bekommen sich in die Wolle und Ibolya stachelt ihre Kneipenbesucher natürlich auch ordentlich an. Aber auch Valeria kann austeilen... Und als der Streit eskaliert, bekommt auch noch ein dahergelaufener Schornsteinfeger eine tragende Rolle, denn Valeria ist die perfekte Frau für ihn - findet er jedenfalls.

Wie Valeria darüber denkt, wer sie nun bekommt - Schornsteinfeger oder Töpfer - und was sonst noch so in Valerias kleinem Dörfchen irgendwo östlich von uns durch Valerias Romanze so alles ins Rollen kommt, das erzählt uns dieses Buch.

Meine Meinung:

In Marc Fitten's Buch wird uns eine Dorfgemeinschaft nähergebracht, die schrulliger und klischeehafter kaum sein kann. Alle Dorfbewohner haben ihre ganz besonderen Macken und Vorlieben, die der Autor mit seiner Sprache sehr gelungen darstellt. Teilweise fühlte ich mich durch die Erzählweise zurück in die Vorkriegszeit versetzt, so nostalgisch ist vieles beschrieben. Jedes Mal, wenn von modernen Errungenschaften die Rede war, lies mich das stutzen Das Buch hat seinen ganz eigenen Witz, denn man lächelt über die Schrulligkeit der Dorfbewohner durchaus des öfteren. Ihre Handlungen und Gedanken sind teilweise einfach so wundersam, dass man lachen muss, dennoch bleiben sie als Charaktere authentisch. Gleichzeitig aber, wird man in diesem Buch mit vielen Problemen konfrontiert, die einem selbst sicher sehr geläufig sind - die Suche nach Liebe und Geborgenheit, Eheprobleme, die erste Liebe um einige zu nennen. Es ist also kein lustiger Roman im eigentlichen Sinne, sondern er steckt trotz der enthaltenen Komik voller Weisheit und tieferem Sinn.

Kritikpunkte:

Manche Charaktere (Schornsteinfeger) fand ich dann doch etwas zu merkwürdig... Das Buch liest sich vergnüglich, aber ich hätte mir doch gerne etwas mehr Bezug zur heutigen Zeit (in der es ja spielt!) gewünscht und auch gerne etwas mehr über die allgemeine Situation des Landes und der Menschen. Es war eben sehr fixiert auf das Dorf (das so klein und unscheinbar ist, dass es sogar im Krieg vergessen wurde!) und seine Bewohner.

Ich vergebe diesem Buch für ein paar geruhsame Stunden 7,5 von 10 Punkten.

Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette - Julia Stuart

Klappentext

Amour-sur-Belle träumt von der Liebe...

Der Friseur Guillaume Ladoucette aus dem 33-Seelen Dorf Amour-sur-Belle bekommt Konkurrenz aus Paris. Seine Kunden laufen ihm davon - oder bekommen altersbedingt eine Glatze, und er muss sich enen anderen Beruf suchen. Obwohl er sich in Herzensdingen ziemlich ungeschickt anstellt, beschließt er, eine Heiratsvermittlung aufzumachen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist diese von Erfolg gekrönt. Doch gelingt es ihm auch, das Herz seiner Jugendliebe Emilie zu gewinnen, die nach langen Jahren in ihr Heimatdorf zurückgekehrt ist

Über die Autorin

Julia Stuart lebt in London und schreibt für den „Independent“ und „Independent on Sunday“. „Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette“ ist ihr erster Roman.

Inhaltsbeschreibung und Meinung

Das Buch handelt von Guilllaume Ladoucette, dem Friseur von Amour-sur-Belle, dem stolzen Absolventen der Friseurmeisterschule des Perigord. Das Friseurhandwerk ist sein Leben und so leitet er seit Jahrzehnten den Friseursalon in dem kleinen Dörfchen - bis, ja bis er eines Tages seinen Nachbarn mit einer neuen Frisur sieht. Einer modernen Frisur. Einer Frisur aus Paris - genannt 'Pinienzapfen'...Schrecklich, wie Guillaume findet, aber leider sehen die anderen Bewohner das anders, und so muss sich Guillaume auf seine alten Tage noch einen neuen Job suchen...

Nach langem Abwägen fällt seine Idee auf die Heiratsvermittlung - und das obwohl er langjähriger Single ist.Und so beginnen die Irrungen und Wirrungen, die nur noch schlimmer werden, als seine Jugenliebe ins Dorf zurückkehrt und ihm gehörig den Kopf verdreht...Wunderbar wird das Dorfleben der außergewöhnlichen, schrulligen und doch liebenswerten Bewohner des kleinen Dörfchens beschrieben: So treffen wir Madame Moureau und Madame Loucette (Die Mutter unseres Titelgebers), die kein einziges Wort miteinander reden, weil sie im Streit um die richtige Zubereitung eines Cassoulets liegen... (und wir treffen ein ebensolches Cassoulet, das seit 19 Jahren kocht, und das dazu geführt hat, dass der Apotheker des Dorfes nun Vegetarier ist...) Oder Jean-Francois Lafforest, der als Inspekteur im Dorf wohnt und für die öffentliche Dusche (das ist ebenfalls eine tolle Geschichte!) zuständig ist...Oder aber die unterschiedlichen Paare, die Guillaume Ladoucette zu verkuppeln versucht, und es doch dabei immer wieder schafft, genau diejenigen zu gruppieren, die sich einfach überhaupt nicht mögen...

Oder Emilie Fraisse, die Jugendliebe des Guillaume, die im alten Schloss wohnt und putzt und putzt und putzt...

Oder oder oder... Die Personenfülle ist wundervoll und jeder einzelne wächst einem wegen irgendeinem Tick ans Herz. Viele tolle Geschichten vereinigen sich in diesem Buch, alle vereint durch Guillaume Ladoucette, der eben überall seine Finger, Augen, Pläne usw. drin hat.Die Personen sind sehr detailltreu und liebevoll beschrieben und alleine wegen den Geschichten der einzelnen sollte man dieses Buch lesen. Dazu kommt noch die eigentliche Hauptgeschichte, die aber teilweise etwas in den Hintergrund gerät, weil man mit den anderen Personen ebenso mitfiebert wie mit Guillaume.Es ist ein herrlich lustiges, kurzweiliges, und meiner Meinung nach ein sehr französisches Buch.

Hiermit speche ich eine dringende Empfehlung aus!

Lest dieses Buch! Ich vergebe 10 von 10 Punkten!

Elin Hilderbrand - Barfuß

Zum Inhalt:

Klappentext/Amazon

Die Schwestern Vicki und Brenda und ihre Freundin Melanie wollen nur eins: weg! Ferien machen, denn Vicki ist krank, Brenda hat nach einer Affäre mit einem Studenten ihren Job verloren und Melanie erwartet ein Kind von ihrem Mann, der längst eine andere hat. Also fahren sie auf die Insel Nantucket, um sich im Cottage ihrer Tante Liv den wirklich wichtigen Dingen zu widmen - der Sonne, dem Strand, ihrer Freundschaft. Und plötzlich gibt es allen Grund zu neuer Hoffnung: Ein großer Roman über drei starke Frauen - und die Unvorhersehbarkeiten der Liebe.

Meine Zusammenfassung

Die beiden Schwestern Vicki und Brenda machen sich gemeinsam mit Vickis Kindern Blaine und Porter und Vickis Freundin Melanie auf den Weg nach Nantucket. Dort wollen sie gemeinsam den Sommern im Cottage von Tante Liv (der Großtante von Vicki und Brenda) verleben, denn allen dreien geht es leider gar nicht gut.Vicki hat Lungenkrebs und soll mit Chemo und einer OP behandelt werden, Brenda steckt in juristischen Schwierigkeiten und hat auch noch ihren Job als Professorin verloren, weil sie eine Affäre mit einem Studenten begonnen hat und Melanie ist schwanger von ihrem Mann Peter, der das aber nicht weiß und ihr zudem auch noch fremdgeht, von dem sie sich aber nicht lösen kann.Neben den dreien ist da noch der Student Josh - ein wirklich netter, gutaussehender Kerl, den die drei schon bei ihrer Ankunft am Flughafen kennenlernen und den sie alle drei toll finden. Er ist sozusagen die vierte Hauptperson in diesem Buch und beeindruckt jede der drei Frauen auf eine eigene Art. Sie schaffen es, ihn als Babysitter für Blaine und Porter zu engagieren, sodass er einen nicht gerade kleinen Teil der Handlung einnimmt.

Die drei Frauen verleben also ihren Sommer auf Nantucket und verwickeln sich durch ihre Lebenssituationen immer mehr in die unterschiedlichsten Geschehnisse, obwohl sie doch eigentlich nur zum Entspannen nach Nantucket gekommen sind.

Mein Eindruck:

Das Buch habe ich blind gekauft, sprich ich habe das Cover gesehen und es spontan mitgenommen. Es lachte mich an und ich dachte mir "Schön, ein nettes Sommerbuch." Da das Cover nicht zu "freche Frauen"-mäßig war, erwartete ich aber auch etwas mehr Tiefgang und keinen seichten Liebesroman. Diese Erwartung wurde erfüllt - das Buch ist keinesfalls oberflächig - die Sommer-Erwartung nicht ganz. Beginnt das Buch noch fröhlich mit den drei Frauen, die aus dem Flugzeug steigen und sich auf einen Sommer freuen, so rückte der nette Sommer nach dem ersten Strandbesuch doch ziemlich in den Hintergrund und die Probleme der Frauen, insbesondere die Krebserkrankung von Vicki immer mehr in den Vordergrund. Zwar kommt auch die Liebe nicht zu kurz, aber immer steht das "Verlassen-Sein" von Melanie, das "Verboten-Sein" der Liebe von Brenda und auch das "Krank-Sein" von Vicki wie ein Warnschild neben der Straße. Keine von ihnen kann wirklich ungestört ihren Sommer genießen, sondern alle drei werden von Selbstzweifeln mitgerissen.Okay, ich will mich nicht beklagen - ich WOLLTE Tiefgang, aber man hätte das ganze doch netter gestalten können. Die Probleme lösen sich eigentlich erst auf den letzten Seiten auf, sodass das Buch sicher neue Hoffnung machen kann, aber ein Buch über einen schönen Sommer unter Freundinnen ist es nicht. Leider wollte ich aber ein nettes Buch mit nachdenklichen Elementen haben und keinen Tragikroman (okay, das ist jetzt überzogen) mit Sommerelementen, daher hat mich das Buch etwas zur falschen Stunde erwischt. Da wurde meine gute Sommerlaune auf der grünen Wiese doch etwas gedämpft.Das Buch als solches ist nicht schlecht. Solide geschrieben, gute Charaktere in denen sich wohl auch jede Frau recht gut wiederfinden kann. Zumindest, wenn sie in deren Alter ist. Ich fühle mich da mit Mitte 20 doch noch zu jung für, um mich in die Situationen der drei Frauen zu versetzen, obwohl ich mir den knackigen Josh gut vorstellen kann.

Insgesamt gibt es von mir 7,5 von 10 Punkten (auf der Notenskala eine 2-).

Der Weg in die Schatten - Brent Weeks - Night Angel Trilogie 1

(Originaltitel: The Way of Shadows)

Klappentext des dt. Buches:

In den Schatten wirst du deine Seele verlieren! Durzo Blint ist ein gefährlicher Mann, ein unübertroffener Meister in der Kunst des Tötens. Doch für den Gassenjungen Azoth ist der gefürchtete Meuchelmörder die einzige Chance, am Leben zu bleiben - denn der allgegenwärtige Hunger und die Schrecken der Straße würden für Azoth über kurz oder lang den sicheren Tod bedeuten. Doch Durzo Blint ist in der Auswahl seiner Lehrlinge äußerst wählerisch - und es ist gut möglich, dass der Weg in die Schatten einen weit höheren Preis fordert, als Azoth es sich je vorstellen konnte ... Der Auftakt zu einer atemberaubend spannenden Trilogie, die kein Leser je vergessen wird.

Kurze Zusammenfassung:

Zuerst einmal vorweg: Ich finde es schwer, dieses Buch zu rezensieren, ihr werdet im Laufe der Rezension lesen warum. Ich habe die englische Originalausgabe gelesen, also gegebenenfalls sind Namen etwas falsch, weil ich nicht weiß, wie sie übersetzt werden.

In dem Buch "Der Weg in die Schatten" treffen wir den Jungen Azoth, der einer Gilde von Taschendieben angehört, die im heruntergekommenen Teil der Stadt Cenaria (Der Teil der Stadt heißt The Warrens) leben und vor allem überleben. Azoth und seine Freunde Jarl und Doll Girl (Dt. Puppenmädchen) gehören zu den jüngeren der Straßenkinderbande und werden vom Anführer Rat (Dt. Ratte) unterdrückt und ausgenutzt. So müssen sie ihm Abgaben zahlen, um in der Bande/Gilde bleiben zu dürfen. Eines Tages, als Azoth gerade versucht seine Abgaben aufzutreiben, begegnet er unfreiwillig dem Killer Durzo Blint. Durzo Blint gehört zu den sogenannten "Wetboys", die sich selber als Über-Killer sehen und sich noch eine Stufe über die 'normalen' Assasinen stellen. Die Wetboys zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur vollkommen perfekte Killer sind, sondern ein Wetboy muss 'Das Talent' besitzen, eine Art magische Kraft. Azoths größter Wunsch ist es, als Lehrling von Durzo Blint aufgenommen zu werden und damit den Warrens zu entfliehen. Durzo nimmt eigentlich keine Lehrlinge auf, bei Azoth aber ist er (aus Gründen die man im Laufe des Buches erfährt ) ausnahmsweise dazu bereit - unter bestimmten Bedingungen. Azoths erstes Opfer soll Rat sein, ein Beweis dafür, dass er geeignet ist, Durzos Lehrling zu werden. Azoth zögert zunächst den älteren Jungen zu töten... aber als dieser der hübschen Doll Girl etwas antut, hält er sich nicht mehr zurück.

Um sich als Lehrling Durzo Blint's auch in der feineren Gesellschaft unauffällig bewegen zu können, bekommt Azoth eine neue Identität und eine neue Vergangenheit - er wird zu Kylar Stern.Schafft Azoth/Kylar es, eine Wetboy zu werden und hat er dasnötige 'Talent'? Welche Gründe hatte Durzo den Jungen als Lehrling aufzunehmen? Um diese Fragen dreht sich das Buch und dabei werden allerlei Handlungsstränge geknüpft.

Ein Handlungsstrang behandelt dabei besonders auch die politische Situation der Stadt und des Landes Cenaria, welcher den Hintergrund der Geschichte um den Straßenjungen und den Mörder bildet. Auf dieser Ebene werden Intrigen geschmiedet und Kämpfe ausgefochten. Da ist der junge König, der versucht sein Land zu regieren, während von außen der Gottkönig des Landes Khalidor kurz vor dem Angriff steht. Der Gottkönig besitzt ein Heer von Magiern und Hexenmeistern und sthet bereit, Cenaria anzugreifen. Allein der Seher Dorian, der ein dunkles Geheimnis in sich trägt und zudem langsam wahnsinnig wird, sieht die Zukunft und das kommende Verderben. Die Stadt Cenaria ist durchwandert von den Spionen des Gottkönigs, keinem ist zu trauen und besonders die Adelsgeschlechter Cenarias sind nicht immer das was sie zu sein scheinen. Die Stadt selber wird regiert von den "Neun", den Sa'kagé, den Herren der Schatten. Diese Neun sind wie Gildenmeister und unterwandern die offizielle Politik. Keiner weiß, wer dem Rat der Neun angehört und vor allem nicht wer ihr Anführer ist. All diese Gruppen, der Adel, die Wetboys, der König, die Magier, die Neun - all diese verfolgen ihre eigenen Ziele. Was wird passieren? Kann der Gottkönig Cenaria überwältigen? Wir begleiten in diesem Buch den jungen Kylar Stern auf seinem Weg zum perfekten Mörder in einer Zeit des politischen Umbruchs und des nahenden Krieges.

Meine Meinung:

Wie ich bereist gesagt habe, finde ich dieses Buch schwer zu rezensieren. Zum einen liegt das an dem politischen Hintergrund. Zahlreiche Ströme sind zu unterscheiden und durch die englische Sprache fiel mir teilweise sehr schwer zuzuordnen, wer jetzt auf wessen Seite steht. Oftmals musste ich Passagen doppelt lesen, weil jemand seine Positionen wechselte, wie andere Leute ihre Unterwäsche . Da erfährt man plötzliche Identitätswechsel neben den Ränkeschmieden der königlichen Familie. Eine so politisierte Fantasy ist mir schon lange (oder ich glaube noch gar nicht) untergekommen. Das fiel mir auf jeden Fall schwer, diese Strömungen in den abwechselnden Handlungszweigen richtig zu verstehen und zuzuordnen. (Ich lese auch sonst gerne englische Bücher, Rothfuss, Harry Potter, Biss..., City of Bones usw., aber vielleicht ist das hier doch ne Nummer höher )Dennoch wirkt sie nicht trocken oder dröge, denn man bekommt durch Kylar's Leben eine Menge Abenteuer mit. Natürlich darf auch eine Portion Liebe, etwas Eifersucht und eine Prise unerwarteter Begegnungen nicht fehlen. Der Schreibstil Brent Weeks ist flüssig und sobald man einmal in der Geschichte drin ist (~100 Seiten) kann man es nicht mehr weglegen und möchte wissen, wie es mit Kylar weitergeht. Gerade am Anfang und beim Showdown merkt man aber doch, dass es ein Erstlingswerk ist - aber auf jeden Fall kein schlechtes Erstlingswerk! Dafür spricht auf, dass im englischsprachigen Raum alle drei Teile der Trilogie in drei aufeinanderfolgenden Monaten veröffentlicht wurden (Ja, da hat Brent Weeks gute Vorarbeit geleistet anders als manch Autor, bei dem man nun wieder 3 Jahre auf den 2. Teil warten müsste ).

Gewöhnungsedürftig finde ich die Namen, besonders Ortsnamen. Da liest man auf der Karte (in der Originalausgabe enthalten) von X!zassu, es gibt magische Gegenstände, die ka'kari heißen und die schon erwähnten Sa'kagé um nur einige zu nennen.Ein wenig erinnert mich das Buch von der stimmung her an "Die Lügen des Locke Lamora" und die Trilogie um Sonea. Wer also diese mochte, der wird auch hier denke ich seinen Spaß haben.

Ich habe auf jeden Fall kaum dass ich diesen Band fertig hatte, schon mit dem nächsten Teil (Shadow's Edge) begonnen.

Fazit:

Etwas weniger Politik und Intrigen hätten dem Buch nicht schlecht getan, alles in allem gebe ich diesem soliden Erstlingswerk, das wirklich spannend ist, 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 28. Juni 2009

Die Farben der Liebe - Philippa Gregory

Klappentext/Kurzbeschreibung:

Frances, mittellose Lady und ungeliebte Ehefrau eines Bristoler Kaufmanns, soll für ihren Gatten Sklaven von der Westküste Afrikas zu Hausmädchen und Butlern ausbilden, die er später verkaufen will. Unter Frances' ersten Schülern ist ein Schwarzer vornehmer Herkunft, viel gebildeter und sensibler als ihr rauhbeiniger Ehemann. In seinen Armen findet sie Zärtlichkeit und Leidenschaft.

Meine Zusammenfassung:
Die verarmte und schwächliche Frances ist verheiratet mit einem Bristoler Kaufmann, den sie nicht liebt und vom dem sie auch keine Liebe bekommt. Sie fühlt sich in seinem Haushalt missachtet und ist bedrückt durch die drückende Athmosphäre der Stadt und des dunklen Hauses. Ihr Mann handelt unter anderem auch mit afrikanischen Sklaven. Frances kommt auf die Idee, sie könnte die Sklaven doch unterrichten, damit sie eine Aufgabe hat. Unter den Sklaven, die sich im Haus des Kaufmanns befinden, ist Mehuru, ein Priester und Staatsmann. Intelligent und weltoffen - was von den Engländern natürlich vollkommen verkannt wird. Er ist es, der langsam den Kontakt zu seiner "Besitzerin" Frances aufbaut. Langsam baut sich zwischen Frances und Mehuru, der als Diener im Haushalt der Händlers bleibt, eine Art von Beziehung auf, welche durch das eigentlich feindliche Verhältnis der Sklaven zu den Engländern und auch durch die große Sprachbarriere extrem erschwert wird. Als daraus auch noch Liebe wird, ist ein schrecklicher Ausgang des ganzen eigentlich abzusehen...

Meine Meinung:
Ein sehr ergreifendes Buch. Eine Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht! Ein wunderschönes Buch, das einem des Öfteren Tränen in die Augen treibt. Und nicht etwa (nur) wegen schöner zärtlicher Liebesszenen (die sind sehr selten!), sondern auch wegen der besonderen Thematik der Sklaverei. Die Annäherung von Frances und Mehuru wird dermaßen ergreifend beschrieben, dazu die Konflikte und die schlechte Behandlung der Sklaven von den Engländern (Frances ausgenommen), die einen wirklich sprachlos machen. Da kommen große Gefühle hoch.Man ist geschockt, was den Menschen angetan wurde und mit welcher Brutalität vorgegangen wurde. Man erfährt eine Menge über den Transport, die Unmenschlichkeit, aber auch über Herkunft und Hintergrund der Sklaven. Auch die Gesellschaft dieser Zeit wird beleuchtet, besonders durch die 'Familie' des Kaufmanns. Die Rolle der Frau im Haushalt (hier am Beispiel Frances) hat mich ebenfalls getroffen.Die Figuren sind gut gezeichnet, manchmal aber etwas überspitzt. So ist Mehuru ein sehr intelligenter Mann, dem eigentlich nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden (welche natürlich von den 'Sklaventreibern' nicht erkannt werden, die ihn schändlich missbrauchen). Frances hingegen ist unselbstständig, schwach und ängstlich. Eine typische graue Maus, die sich kaum etwas traut und die eigentlich im Hintergrund steht. Das genaue Gegenteil zu dem selbstbewussten Schwarzen, der trotz Erniedrigungen nicht aufgibt und sich die Behandlung nicht bieten lassen will. Er ist der Anführer der kleinen Gruppe Sklaven im Haus des Kaufmanns und passt in diese Rolle. Mit den Charakteren ist von der Autorin etwas schwarz-weiß Malerei betrieben worden. Das hat mich aber nicht wirklich gestört, da es die (aus heutiger Sicht) Absurdität der Situation und die Grausamkeit der Behandlung der Sklaven durch die Engländer nocheinmal unterstreicht. Auch die Handlung könnte etwas detailreicher sein, aber da das Buch nicht so dick ist, sehe ich diese beiden kleinen Kritikpunkte eher als Stilmittel, als als wirkliche Kritik. Das Buch ist ein extrem ernstes Buch und hat mich tief erschüttert. Es spielt in einer Zeit, die mir nicht so fern erscheint, und dann von der tief unwürdigen Behandlung der Akfrikaner zu lesen, hat mich betroffen gemacht. Dennoch ist es wunderschön, durch die Liebe, die sich in diesem Umfeld entwickelt, gegen alle Vorurteile und Widerstände. Ob das realistisch und damals möglich war, sei dahingestellt, das tut dem Buch auch für mich keinen Abbruch.
Das Buch ist keineswegs ein 'schöner' Liebesroman, wie es der Klappentext erscheinen lässt, sondern hochgradig gesellschaftskritisch und tiefgründig. Die Liebe bildet nur einen Teil des Ganzen, ein beachtlicher Teil aber auch das Thema des Sklavenhandelt. Bei der gegebenen Ausgangssituation (Herrin - Sklave) und der eher düsteren Grundstimmung des Buches hat es mich auch nicht überrascht, dass ein wirkliches Happy End ausbleibt...

Ich lege das Buch trotzdem jedem ans Herz, der außergewöhnliche Liebesgeschichten mag, oder den der Hintergrund der Sklaverei interessiert!Ich vergebe 9,5 von 10 Punkten für dieses tolle Buch!
Zu erwähnen auch noch das detailreiche und wunderbar passende Titelbild!

Ich spreche eine dringende Leseempfehlung aus!