Sonntag, 28. Juni 2009

Die Farben der Liebe - Philippa Gregory

Klappentext/Kurzbeschreibung:

Frances, mittellose Lady und ungeliebte Ehefrau eines Bristoler Kaufmanns, soll für ihren Gatten Sklaven von der Westküste Afrikas zu Hausmädchen und Butlern ausbilden, die er später verkaufen will. Unter Frances' ersten Schülern ist ein Schwarzer vornehmer Herkunft, viel gebildeter und sensibler als ihr rauhbeiniger Ehemann. In seinen Armen findet sie Zärtlichkeit und Leidenschaft.

Meine Zusammenfassung:
Die verarmte und schwächliche Frances ist verheiratet mit einem Bristoler Kaufmann, den sie nicht liebt und vom dem sie auch keine Liebe bekommt. Sie fühlt sich in seinem Haushalt missachtet und ist bedrückt durch die drückende Athmosphäre der Stadt und des dunklen Hauses. Ihr Mann handelt unter anderem auch mit afrikanischen Sklaven. Frances kommt auf die Idee, sie könnte die Sklaven doch unterrichten, damit sie eine Aufgabe hat. Unter den Sklaven, die sich im Haus des Kaufmanns befinden, ist Mehuru, ein Priester und Staatsmann. Intelligent und weltoffen - was von den Engländern natürlich vollkommen verkannt wird. Er ist es, der langsam den Kontakt zu seiner "Besitzerin" Frances aufbaut. Langsam baut sich zwischen Frances und Mehuru, der als Diener im Haushalt der Händlers bleibt, eine Art von Beziehung auf, welche durch das eigentlich feindliche Verhältnis der Sklaven zu den Engländern und auch durch die große Sprachbarriere extrem erschwert wird. Als daraus auch noch Liebe wird, ist ein schrecklicher Ausgang des ganzen eigentlich abzusehen...

Meine Meinung:
Ein sehr ergreifendes Buch. Eine Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht! Ein wunderschönes Buch, das einem des Öfteren Tränen in die Augen treibt. Und nicht etwa (nur) wegen schöner zärtlicher Liebesszenen (die sind sehr selten!), sondern auch wegen der besonderen Thematik der Sklaverei. Die Annäherung von Frances und Mehuru wird dermaßen ergreifend beschrieben, dazu die Konflikte und die schlechte Behandlung der Sklaven von den Engländern (Frances ausgenommen), die einen wirklich sprachlos machen. Da kommen große Gefühle hoch.Man ist geschockt, was den Menschen angetan wurde und mit welcher Brutalität vorgegangen wurde. Man erfährt eine Menge über den Transport, die Unmenschlichkeit, aber auch über Herkunft und Hintergrund der Sklaven. Auch die Gesellschaft dieser Zeit wird beleuchtet, besonders durch die 'Familie' des Kaufmanns. Die Rolle der Frau im Haushalt (hier am Beispiel Frances) hat mich ebenfalls getroffen.Die Figuren sind gut gezeichnet, manchmal aber etwas überspitzt. So ist Mehuru ein sehr intelligenter Mann, dem eigentlich nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden (welche natürlich von den 'Sklaventreibern' nicht erkannt werden, die ihn schändlich missbrauchen). Frances hingegen ist unselbstständig, schwach und ängstlich. Eine typische graue Maus, die sich kaum etwas traut und die eigentlich im Hintergrund steht. Das genaue Gegenteil zu dem selbstbewussten Schwarzen, der trotz Erniedrigungen nicht aufgibt und sich die Behandlung nicht bieten lassen will. Er ist der Anführer der kleinen Gruppe Sklaven im Haus des Kaufmanns und passt in diese Rolle. Mit den Charakteren ist von der Autorin etwas schwarz-weiß Malerei betrieben worden. Das hat mich aber nicht wirklich gestört, da es die (aus heutiger Sicht) Absurdität der Situation und die Grausamkeit der Behandlung der Sklaven durch die Engländer nocheinmal unterstreicht. Auch die Handlung könnte etwas detailreicher sein, aber da das Buch nicht so dick ist, sehe ich diese beiden kleinen Kritikpunkte eher als Stilmittel, als als wirkliche Kritik. Das Buch ist ein extrem ernstes Buch und hat mich tief erschüttert. Es spielt in einer Zeit, die mir nicht so fern erscheint, und dann von der tief unwürdigen Behandlung der Akfrikaner zu lesen, hat mich betroffen gemacht. Dennoch ist es wunderschön, durch die Liebe, die sich in diesem Umfeld entwickelt, gegen alle Vorurteile und Widerstände. Ob das realistisch und damals möglich war, sei dahingestellt, das tut dem Buch auch für mich keinen Abbruch.
Das Buch ist keineswegs ein 'schöner' Liebesroman, wie es der Klappentext erscheinen lässt, sondern hochgradig gesellschaftskritisch und tiefgründig. Die Liebe bildet nur einen Teil des Ganzen, ein beachtlicher Teil aber auch das Thema des Sklavenhandelt. Bei der gegebenen Ausgangssituation (Herrin - Sklave) und der eher düsteren Grundstimmung des Buches hat es mich auch nicht überrascht, dass ein wirkliches Happy End ausbleibt...

Ich lege das Buch trotzdem jedem ans Herz, der außergewöhnliche Liebesgeschichten mag, oder den der Hintergrund der Sklaverei interessiert!Ich vergebe 9,5 von 10 Punkten für dieses tolle Buch!
Zu erwähnen auch noch das detailreiche und wunderbar passende Titelbild!

Ich spreche eine dringende Leseempfehlung aus!

Der Anwalt des Königs

Der Anwalt des Königs - C. J. Sansom

Klappentext:
Als der alte Glaser Oldroyd vor den Augen von Matthew Shardlake, Anwalt von König Heinrich VIII., von einem Kirchengerüst in die Tiefe stürzt, ahnt Shardlake noch nicht, wie brisant die Botschaft ist, die der alte Mann ihm noch mit seinen letzten Atemzügen übermitteln kann. War der Sturz etwa kein Unfall? Welches Geheimnis bewahrte er? Hängt es mit dem geheimnisvollen Kästchen und den Dokumenten zusammen, die Shardlake und sein Gehilfe Barak in Oldroyds Wohnung finden? Seine Recherchen bringen den Anwalt des Königs in höchste Lebensgefahr.

Infos:
Dies ist der dritte Band um Master Shardlake.
Die Reihenfolge ist:
1. Pforte der Verdammnis (Dissolution)
2. Feuer der Vergeltung (Dark Fire)
3. Der Anwalt des Königs (Sovereign)
4. Revelation (bisher nicht auf Deutsch)
Ich habe allerdings bisher nur diesen gelesen, ob das problematisch ist/war erfahrt ihr in der Rezension.

Meine Zusammenfassung:
Matthew Shardlake, Anwalt aus London, und sein Gehilfe Jack Barack reisen von London aus nach York. Um den rebellischen Norden von seiner Herrschaft zu 'überzeugen' ist zur selben Zeit auch Heinrich VIII. (zu dieser Zeit mit Catherine Howard verheiratet) mit seinem gesamten Tross auf dem Weg nach York, und Shardlake muss sich beeilen um vor dem König die Stadt zu erreichen. Er ist mir den Pettitionen des Königs beauftragt.
Doch das ist nicht seine einzige Aufgabe, denn von Bischof Cranmer ist er dazu berufen, für die Gesundheit eines hochpolitischen Gefangenen zu sorgen, damit dieser bald darauf nach London gebracht werden kann und nicht vorher an schwäche oder Misshandlung stirbt.
Shardlake und Jack Barack werden im ehemaligen Kloster St. Marys untergebracht, nachdem alle Klöster durch den König enteignet und verweltlicht wurden. Dort lernt er auch den Yorker Anwalt Giles Wrenne kennen, der ihm bei den Pettitionen zu Seite stehen soll.
Als der alte Glaser Oldroyd bei Arbeiten an der Kirche des Klosters von seiner Leiter stürzt und stirbt, bekommt Shardlake noch eine dritte Aufgabe: Der Tod ist scheinbar kein Unfall gewesen, denn vor seinem Ableben, kann Oldroyd noch einige Worte flüstern. Und diese Worte deuten auf eine Verschwörung gegen den König hin...
Als dann Shardlake und Barack im Haus des Glasers auch noch eine mysteriöse Schatulle mit geheimen Papieren finden, nimmt das Unheil seinen Lauf...
Alle Menschen in diesem Roman scheinen verstrickt in politische Intrigen. Die einen sind für den König und die neue Religion, die anderen wollen eine Revolution und pochen auf eine angebliche Illegitimität des Königs -Hat das etwa etwas mit dem 'Sturz' des Glasers zu tun, oder steckt doch nichts hinter seinen geflüsterten Worten?

Meine Meinung:
Ein sehr politischer Krimi aus der Zeit Heinrich VIII. Meiner Meinung nach steht die Krimihandlung hier sogar etwas im Hintergrund, und die gesellschaftliche und politische Situation zu der Zeit eher im Vordergrund.
Die Krimihandlung ist schon ausgeprägt, aber ein guter Teil der rund 700 Seiten wird doch von politischen Intrigen und Verschwörungen eingenommen. Da ist es leider zu erwähnen, dass viele Hintergründe nur angeschnitten, aber nicht ausreichend erklärt werden.
So zum Beispiel die Stellung Bischof Cranmers und auch die Reliogionszwiste zwischen Katholiken und Protestanten (Anglikalen). Wer aber etwas Hintergrundwissen mitbringt (zum Beispiel weiß, wass es mit Anne Boleyn auf sich hat), wenn er in den Krimi einsteigt, dann ist er durchaus gut zu lesen und auch zu genießen. Die Geschichte wirkt glaubwürdig, ist spannend, aber nicht zu reißerisch, sondern eher gemächlich. Besonders interessant sind die vielen Handlungszweige, die sich durch die drei Aufgaben Shardlakes vermischen und doch irgendwie alle zusammenhängen. Der Schreibstil des Autors wirkt solide und gekonnt. Ich bin nicht über Fehler oder holprige Sätze gestolpert, sondern habe das dicke Buch in gut 4 Tagen ausgelesen. Dabei kam keine Langeweile auf.
Da dieser Teil der 3. Band einer Reihe um Shardlake ist, findet man kleiner Hinweise in dem Buch auf vorhergegangene Bände. Ein Beispiel ist, dass Barack früher für Cromwell gearbeitet hat, und dass dieser auch Shardlakes Brotherr war. Auch die Verbindung von Shardlake zu Cranmer wird als bekannt angenommen und scheinbar in den ersten zwei Bänden erklärt.
Große Ungereimtheiten sind aber nicht entstanden, sodass einem Einstieg in die Serie mit diesem Band nichts im Wege steht. Sehr schön auch die Erklärungen im Anhang zu den politischen Hintergründen, der "Pilgrimage of Grace" und des Marsches nach York und der Legitimität (oder doch Illegitimität? ) von Heinrich VIII. Diese sind zwar nicht sehr ausführlich, aber es werden weiterführende Literaturquellen angegeben. Des Weiteren wird genau erklärt, welche Personen wirklich gelebt habe. Die Personen sind schön gezeichnet, allen vorran Matthew Shardlake, der unter einem körperlichen Gebrechen zu kämpfen hat. Hier lässt sich keine Schwarz-Weiß-Malerei finden, sondern die Figuren handeln unvorhersehebar und der Krimi hält einige überraschende Wendungen bereit.
Auch die Aufmachung des Buches gefällt mir sehr. Es ist nicht wie normale Taschenbücher mit einem glänzenden Cover ausgestattet, sondern dieses ist auf Pappe mit Struktur (vergleiche dickes Aquarell-Papier) gedruckt. Das hat nach dem Lesen allerdings recht schnell Kratzer bekommen und ist dafür auf jeden Fall anfälliger, als die Glanzcover. Auch die Schrift hat sich schon etwas abgerieben und Leseknicke ließen sich nicht vermeiden. Das Titelbild ist aber wirklich toll (und wurde von den englischen Ausgaben übernommen). Ich hoffe nun auf eine Neuauflage der ersten zwei Bände in gleichem Design und dass der vierte Teil auch bald auf deutsch herauskommt.

Fazit:Der historische Krimi hat mir sehr gut gefallen! Für alle Freunde der Tudor-Zeit zu empfehlen!
Von mir gibt es 8 von 10 Punkten und die vorhergehenden Bände werden bald bestellt.

Freitag, 19. Juni 2009

Gute Fee in Ausbildung - Mercedes Lackey

Märchensatire mit romantischem Einschlag


Klappentext:

Elenas Leben ist wie ein Märchen - wie das aller Bewohner der verzauberten Reiche. Doch warum muss ausgerechnet sie Aschenputtel sein? Elena beschließt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie ergreift die nächste sich bietende Gelegenheit beim Schopf und wird zur Guten Fee in Ausbildung. Leider verbietet die Tradition Guten Feen, sich zu verlieben - aber vielleicht ist es ja an der Zeit, neue Traditionen zu schaffen ...


Zusammenfassung:

Die 21-jährige Elena lebt seit dem Tod ihres Vaters mit ihrer Stiefmutter und zwei Stiefschwestern zusammen. Leider ist trautes Familienglück fern, denn natürlich ist es dem Märchen-Klischee entsprechend eine böse Stiefmutter, und Elena wird als Hausmädchen, Putzfrau, Köchin und für noch vieles mehr ausgenutzt. Als die Stiefmutter dann auch noch alles Geld (und damit Elenas Erbe) aufgebraucht hat um ihrem Luxus zu fröhnen, macht sie sich auf die Suche nach einem neuen (reicheren) Ehemann, nimmt ihre Töchter und alle Wertgegenstände und lässt die arme Elena (inzwischen Aschen-Ella (Ella of the cinders = Cinder-Ella) gennant) zurück um das Haus zu hüten.Doch kaum ist die Kutsche um die Ecke gebogen, stürmt ein Wust von Gläubigern das Haus, reißt sich die komplette Innenausstattung samt Töpfen und Teppichen unter den Nagel. :grinElena, zuerst verzweifelt, beschließt dann, sich Arbeit zu suchen und eine Anstellung beim ersten Menschen anzunehmen, der nett zu ihr ist.Leider ist dies leichter gesagt als getan, denn die Menschen der Stadt kennen ihre Stiefmutter und wollen dieser nicht mal aus der Entfernung in die Quere kommen, sodass Elena auf dem Gesindemarkt zurück bleibt - bis sich kurz vor Mitternacht eine alte, schrullige Dame ihrer annimmt und ihr eine Anstellung anbietet.


Diese alte Damen stellt sich als Bella heraus, der Guten Fee des Königreiches (und noch einiger Königreiche mehr).

Sie nimmt Elena mit ihrer fliegenden Kutsche, die vom Sohn des Nordwindes (einem kleinen buckligen Pferdchen namens Sergei :chen) gezogen wird, mit nach hause in ihr kleines Häuschen im Wald.


Dort beginnt für Elena eine aufregende Zeit in ihrer Ausbildung als gute Fee. Sie erfährt, dass die Welt der 500 Königreiche von der "Tradition" beherrscht werden, einer Art magischer Kraft, die versucht, die Menschen in Märchenrollen zu drängen. Elena ist sich ihrer ursprünglichen Rolle als Aschenputtel also durchaus bewusst, leider ist da aber etwas schiefgelaufen, denn an ihrem 16. Geburtstag und auch an ihrem 18. Geburtstag ist wider Erwartens kein Prinz aufgetaucht um sie aus ihrer verzwickten Lage zu retten.

Nun aber hat sie mit ihrer Ausbildung die Chance, der Tradition in gewisser Weise zu entkommen. Allzuviel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber wir treffen Elfen, Feen, wichtel und Einhörner (die ganz besonderer Macken haben, aber so liebenswert beschrieben werden, dass sie eine Erwähnung verdienen! :D)


Zu ihren Aufgaben als gute Fee gehört es auch, verkleidet als arme alte Frau Ritter auf einer Quest zu erproben. Verhalten sich die Ritter nobel und teilen ihr Brot, so hilft sie ihnen (wir kennen das ja ;-)), wenn nicht, dann werden die Ritter bestraft.

Und auf eben diesem Wege kommt der Ritter, äh... Esel :chen, Alexander in ihren Haushalt. Eigentlich kann Elena Alexander nicht leiden, aber... irgendwie doch... Da hat wohl wieder die Tradition die Finger im Spiel ;-) Eigentlich bleiben Gute Feen alleine - aber wer weiß schon, was die Tradition da wieder vorgesehen hat.


Und so erleben wir in dem Buch, was eine Gute Fee den ganzen Tag so treibt, mit was sie zu kämpfen hat in einer Welt voller Märchen und fiebern dem Ende des Buches entgegen, um zu erfahren, ob eine Gute Fee nicht vielleicht doch einen edlen Ritter zum Kameraden haben kann... :D


Meine Meinung:

Das Buch ist ein locker-leichter Roman, der absolut nicht ernst zu nehmen ist.Es ist nicht gerade tiefgründig, aber leicht zu lesen und somit eine nette Sommerlektüre. Die Sprache ist flüssig, nicht zu einfach, aber auch keineswegs kompliziert zu lesen.
Etwas verwirrt hat mich das Konzept der "Tradition" und dass die Figuren wissen, dass sie Märchenrollen leben (beziehungsweise dazu gezwungen sind).
Das ist aber für die Handlung eher irelevant. Die Handlung lässt sowieso zu wünschen übrig. Man sollte wirklich nicht zu viel erwarten! :D

Neben den eingestreuten Märchengeschehnissen, Kämpfen, Questen und anderer märchentypischen Ereignisse passiert recht wenig in diesem Buch.Die Märchen sind gut eingebunden und die Idee hinter dem Buch ist wirklich nett. So eine Art Märchensatire ist mir bisher nicht untergekommen, sodass ich das ganz originell finde. Dadurch, dass Elena von ihrem Aschenputtel-Pfad abkommt, ist die Story nicht zu vorhersehbar, obwohl man sich von vorneherein denken kann, was passiert ;-)


Dies ist kein Roman, der einem Märchenmotiv folgt, da sich die Handelnden ihrer Märchenrollen bewusst sind. Daher auch meine Bezeichnung als Satire am Anfang der Rezension ;-)

Wer also einen Roman erwartet, dessen Personen sich wie im Märchen entwickeln, sich aber dessen nicht bewusst sind (Tochter der Wäder, Die Braut des Spielmanns) der ist hier falsch.


Wer aber Spaß an lustiger Literatur mit einem Einschuss von Romantik hat (obwohl der Romantik-Anteil hier relativ gering ist), dem kann ich das Buch ans Herz legen.
Es ist seichte Unterhaltungsliteratur ohne höhere Ansprüche.


Und mit diesem Hintergrund vergebe ich 7,5 Punkte.
Wäre ich allerdings mit anderen Ansprüchen (Tiefgang ...) an das Buch gegangen, so hätte es sicher nicht mehr als 5-6 Punkte bekommen :D

Dienstag, 16. Juni 2009

Kalix - Martin Millar

Kalix - Die Probleme einer beziehungsunfähigen Werwolffamilie oder Irrungen und wirrungen des Clan McRinnalch


Klappentext:

London: Werwolf Kalix MacRinnalch streift allein durch die Stadt. Sie hat ihren Vater, den Anführer des Werwolfclans, attackiert eine unverzeihliche Tat. Nun wird sie nicht nur von mörderischen Werwolfjägern verfolgt, sondern auch von ihren rachsüchtigen Verwandten. Kalix findet jedoch Unterschlupf bei den Studenten Daniel und Moonglow. Diese werden dadurch in einen Konflikt hineingezogen, der vom schottischen Hochland bis nach London reicht und noch ein paar Dimensionen weiter. Denn die Werwölfe rüsten sich zum Krieg um die Führung des Klans, und Kalix steht im Zentrum des Geschehens.


Zusammenfassung:

Wäre dieses Buch nicht so fantasylastig, würde es sicher ein gutes Familiendrama abgeben. Die Geschichte handelt vordergründig von der jungen Werwölfin Kalix. Sie lebt alleine in London, nachdem sie aus dem Familienschloss in Schottland verstoßen wurde, weil sie ihren Vater, den Fürsten der Werwölfe angegriffen und verletzt hat. Eine große Schmach für diesen, sodass Werwölfe unterwegs sind, um die missratene Tochter zu fangen und tot oder lebendig nach Schottland zurückzuschleifen.Kalix ist 17 Jahre alt und kämpft mit den klischeehaften Problemen eines Teenagers - geringes Selbstbewusstsein, Drogensucht (Laudanum), Magersucht und Einsamkeit - und nebenbei ist sie eben auch noch eine Werwölfin.Da sie zur Herrscherfamilie gehört, den McRinnalchs, kann sie sich jede Nacht verwandelt, ist aber in den drei Nächten rund um Vollmond dazu gezwungen. Neben ihrer menschlichen und ihrer komplett wölfischen Gestalt, in der die Werwölfe nicht sprechen können und von ihren tierischen Instinkten überwältigt werden, besitzen Millars Werwölfe noch eine weitere Gestalt: Eine Art Mischung aus beidem. Sie können Sprechen, Laufen, mit ihren Pfoten mit Mühe und Not auch mal einen Computer bedienen, und relativ klar denken. (Ich stelle mir das so ein wenig wie Scooby Doo vor )Leider überlebt der Fürst seine Verletzungen nicht, sodass im Clan der McRinnalchs ein Krieg um seine Nachfolge ausbricht, den wir aus allen möglichen Sichtweisen miterleben.Da haben wir die beiden Kandidaten auf den Fürstentitel, beides Brüder von Kalix: Markus, der gerne mal in Frauenkleidung schlüpft und Sarapen, den brutalen und skrupellosen Kämpfer. Beide benötigen eine Mehrheit im Rat um zum Fürst gewählt zu werden und versuchen daher mit allen Mitteln diese Stimmanzahl zu erlangen. Auch ihre Mutter Verasa und ihre Großmutter Dulupia mischen fleißig mit, daneben eine Menge Onkels, Tanten, Cosuins, Cousinen, entferntere Verwandte, Berater und viele Werwölfe mehr, die natürlich alle andere Ziele verfolgen und einen bestimmten Kandidaten unterstützen.Und um an die nötigen Stimmen zu kommen, ist ihnen nahezu alles recht. Da wird gekämpft, gemordet, intrigiert und umworben. Und ebenda kommt Kalix wieder ins Spiel - die Großmutter Dulupia gibt demjenigen Kandidaten ihre Stimme, der Kalix für die tötet. Also gehen die beiden Brüder auf die Jagd...Doch Kalix findet Unterstützung in den beiden Studenten Daniel und Moonglow, ihrer Schwester Thrix (einer Modedesignerin), der Königin der Feuergeister Malveria und deren Nichte Vex.Auch ihre Cousine Dominil mischt kräftig mit, denn neben Dulupias Stimme werden auch die Stimmen der "Cousinen, über die man nicht spricht" benötigt: Der Zwillinge Beauty und Delicious, wie sie sich nennen.Diese beiden sind ebenfalls in Lodon unterwegs, haben aber nicht die Wahl eines neuen Fürsten, sondern nur ihre Band "Yum Yum Sugary Snacks" im Kopf, die leider gar nicht erfolgreich ist. Um ihre Stimmen zu gewinnen, muss Dominil die beiden unterstützen und ihnen zu Erfolg verhelfen, wozu sie leider gar keine Lust hat und viel zu gelangweilt ist...Die beiden Handlungsstränge rund um Kalix und rund um Dominil laufen natürlich nicht nebenher, sondern sind verzwirbelt - es geht also hoch her beim Kampf um die Stimmen für die neue Fürstenwahl!Als dann auch noch Kalix lang verschollener und unstandesgemäßer Geliebter auftaucht und ein kroatischer Werwolfjäger mit einem Zaubermesser auf den Clan angesetzt wird geht es erst recht drunter und drüber...


Wir erleben eine Menge Kämpfe, Missverständnisse, witzige Begegnungen, Tragik und vieles mehr!


Meine Meinung:

Von Marin Millar war mir vor der Lektüre dieses Buches schon sein "die Elfen von New York". Schon in diesem Buch ist mir die unglaubliche Phantasie des Autors aufgefallen. Dachte ich zu Beginn an ein 'normales' Fantasywerk, so fand ich mich kurzerhand in einer abgedrehten und unglaublich witzigen Welt wieder. - Diesen Eindruck konnte Kalix durchaus halten! Erneut weicht Martin Millar von den typischen Klischees, die man mit dem Begriff 'Werwölfe' verbindet ab, und schafft eine Sippe schottischer Werwölfe, die ihren eigenen Whisky destilieren, sich auch außerhalb des Vollmondes verwandelt können und auch sonst so ihre Macken haben.Die Geschichte hat durchaus einen ernsten Hintergrund, aber Martin Millar schafft es mit seinem schon aus "Die Elfen aus New York" bekannten Humor die Geschichte sehr witzig zu gestalten. Der Schreibstil ist locker flockig und leicht lesbar.Die im Vordergrund stehende Geschichte um Kalix und ihre Probleme ist eine nette Rahmenhandlung, sodass das Kriegstreiben der Werwölfe nicht zu sehr ins Gewicht fällt.Besonders toll haben mir die Charaktere gefallen: Die modeverückte Königin der Feuergeister, die Angst vor Falten und dem Altern hat; ihre "fast adoptierte Nichte" Vex; die Modeschöpferin Thrix und ihre Assistentin; der Krämer McDoig, der über alle Wölfe bescheid weiß und viele mehr!Alle haben Tiefgang und wirken nicht oberflächig, bleiben in ihrem Handeln unvorhersehbar. Das macht die Handlung wirklich spannend und bei mancher Überraschung musste ich laut lachen!Das Werwolfthema wirkt hier mal ganz anders, als in der momentan oft gesehenen "Einheitsbrei"-Literatur. Die witzigen Ideen Millars tragenhier eine Geschichte, die sich eigentlich "nur" um die Wahl des neuen Fürsten dreht, aber durch die Erzählweise und die Ideen Millars unendlich viele Einblicke bietet.Einziger Negativpunkt an dem ganzen ist die Länge des Buches. War mit vorher schon "Die Elfen von New York" bekannt, das mit seinen 300 Seiten dagegen wirklich kurz und knackig ist, kamen mir die wirklich klein bedruckten über 700 Seiten doch sehr lang vor.An manchen Stellen denkt man schon, dass sich ein Problem nun auflöst, da findet sich die nächte Wendung und alles beginnt von neuem... Mit kleinen Lesepausen ist das Buch aber dennoch zu genießen!An "Die Elfen von New York" kommt es für mich aber nicht ganz heran, obwohl es in Stil und Gestaltung durchaus ähnlich abgedreht und ausgeflippt ist.


Ich vergebe 8 von 10 Punkten.

Freitag, 5. Juni 2009

Von der Heulsuse zur Landfrau - die Wandlungen der Clara B. aktualisiert

Alles wegen Werner - "Alles wegen Werner - Gottseidank!" oder "Alles wegen Werner - endlich!" wären auch gute Titel gewesen.

Kurze Zusammenfassung:

Wir treffen Clara, Anfang fünfzig, verheiratet seit kanpp 30 Jahren mit Werner: gutaussehend und leider in Claras Augen stinklangweilig.
Da stehen Golfturniere und Bekanntenbesuche auf seinem Tageplan, während sie in der gemeinsamen Villa (an der Algarve wohlgemerkt!) auf ihn wartet und ihm pünktlich das Mittagessen hinstellt.
Schwer frustriert von ihrem Leben mit Werner hat Clara schon längst begonnen, ihren Frust mit Wein zu bekämpfen. Soll sie sich trennen? Schließelich haben sie sich nichts mehr zu sagen. Aber durchringen kann sie sich nicht - ohn e Ausbildung sieht sie sich schon mit Nummernzettelchen beim Sozialamt.
Dann lieber doch noch ein Glässchen Wein... Doch dann... ja, dann fährt Werner völlig überraschend nach Brasilien. Stinkesauer (war das doch ihr Traum!) bleibt Clara in Portugal zurück und ist sehr erstaunt als ihr Ehemann nach der Zeit gutgelaunt und ungewohnterweise sogar recht nett zurückkommt.
Da muss wohl was faul sein - als dann sein Handy klingelt erfährt sie warum - er hat eine andere! Eine jüngere! Und als sie ihn damit konfrontiert, trennt er sich von ihr.
Das sei ja wohl auch mal nötig mag mancher von uns denken. Da sie sich ja nicht durchringen konnte...
Leider sieht Clara das anders und versinkt im Selbstmitleid. Sie trinkt und schläft und trinkt und weint und schläft - bis zu einem gewissen Augenblick.
Und ab da ist alles anders! Ihre Wut erwacht, sie zieht samt Hund aus der Villa aus, nimmt sich einen Anwalt und verschwindet so schnell wie der Blitz ins Alentejo, wo sie sich spontan ein Haus, pardon: eine heruntergekommene Hütte mitten in einem staubigen Olivenhain im Nirgendwo sowie einen grünen VW-Bulli kauft.

Was sie dort erlebt, wie sie sich aufrafft und was sie dann alles wegen (der Trennung von) Werner aus ihrem Leben macht (gottseidank, endlich) davon handelt dieses Buch.
Ein wenig sei verraten: Wir lernen sympatische Portugiesen kennen, ein kleines Dörfen mitten im Nirgendwo, einen Mann der auf den Namen Leo hört und einen zweiten namens Rui und es wird vieeeeel Wein getrunken.


Meine Meinung

Der Beginn des Buches verbreitet nicht gerade gute Stimmung. Clara war mir anfangs gar nicht zympatisch. Zu heulsuserig, zu viel Selbstmitleid.
Nein, nicht mein Buch dachte ich. Aber dann, als sie es endlich schafft sich aufzuraffen, da musste ich weiterlesen.
Man kann die Kargheit der Olivenhaine und des Alentejo geradezu sehen, wenn man das Buch liest. Es ist spannend mitzuerleben, wie sich Clara aufrafft und versucht aus ihrem Leben etwas zu machen!
Die komplette Story war mir zwar etwas zu seicht und hat mich ziemlich an das typische "Getrennte Frau sucht neue Liebe" Klischee erinnert, aber die portugisische Landschaft und die netten schrulligen Portugiesen holen vieles wieder raus.
Das Setting ist einfach mal ein anderes und die Herangehensweise von Clara auch.

Alles in allem ein nettes, unterhaltsames Buch, bei dem man ebenfalls Lust auf eine einsame Hütte in den Weiten Portugals bekommt.
Die Beschreibung des Landes und der Leute waren für mich aber auf jeden Fall der bessere Teil des Buches im Vergleich zu den Trennungs- und Liebegeschichten Claras.


Eine kurze Frage am Ende: Was soll das Cover damit zu tun haben? Die Zeichnung ist wirklich gut und okay, das Thema als solches trifft es auch, aber da hätte ich doch ein etwas 'mediteraneres' Bild gewählt.

Von mir bekommt das Buch 8 von 10 Punkten.